DMA Drescher Michalski Architekten

Das ‚Reservoir‘ im Drespitzareal in Basel ist ein Parkhaus und Löschwasserreservoir zugleich. Im Rahmen der Architekturwoche Basel 2024 wurde in einem Open Call zur Erarbeitung von interdisziplinären, temporären Konzepten im Umgang mit dem Bestand aufgerufen, die die Aktivierung sozialer und kultureller Potenziale dieses Infrastrukturbauwerks zum Ziel hatten.

KONZEPT
Die Geschichte und der ursprüngliche Zweck des Gebäudes – mit den unterirdisch
liegenden und derzeit nicht einsehbaren Rückhaltebecken– soll nach Außen sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Die bislang unsichtbare Kellernutzung wird «ausgestülpt» und mit dem öffentlichen Parkdeck verknüpft. In diesem Zuge wird dem Bauwerk eine zeitgemäße, ökologisch nachhaltige neue Nutzung eingeschreiben: Bezugnehmend auf das Fischsterben als Folge des Schweizerhallenbrands von 1986 spielen Fische eine wesentliche Rolle, indem sie zu einer Wiederbelebung des Gebäudes beitragen. Es soll vollumfänglich begeh- und dadurch erlebbar werden.
Ein zeichenhafter und weithin sichtbar architektonischer Eingriff in der Gebäudemitte macht auf das Projekt aufmerksam und weckt die Neugier von Passanten.

ARCHITEKTONISCHE INTERVENTIONEN
Der Wasserkreislaufs einer Aquaponikanlage wird sichtbar und das Gebäude auf diese Weise neu erfahrbar gemacht. Die neuen baulichen Elemente sind eine Treppenanlage im Entlüftungsschacht sowie eine Überhöhung desselben mittels einer leichten und einfach zu errichtenden Gerüstbaukonstruktion. Durch diese Elemente ist nun ein Rundweg
durch das Gebäude und ein zusätzlicher Ausblick über das Areal möglich.
Man betritt das Parkhaus fußläufig über das bestehende Treppenhaus und gelangt über die Tür im 2.UG in den zentralen Schacht. In den Untergeschossen mit den Wasserrückhaltebecken können die Fische in den eingestellten Becken betrachtet werden. Die Becken mit Beleuchtung und der Klang des Wassers unterstreichen die höhlenartige Atmosphäre der Kellerräume. Über die weiter nach oben ergänzten Treppenläufe gelangt man – das Leitungsnetz begleitend – auf die oberste Parkebene. Hier befinden sich im Rahmen eines kommunalen Nutzgartens die Pflanzen der Hydroponik in speziellen Trögen. Über eine letzte Treppe gelangt man schließlich auf die neue Plattform mit Rundumblick über das umliegende Areal.

PERSPEKTIVISCHE SKALIERBARKEIT
Als Start und Auftakt für die Architekturwoche Basel ist die Intervention in den Bereichen der Rückhaltebecken der Untergeschosse, sowie in dem nicht überdachten Bereich der obersten Parkebene vorgesehen. Eine mögliche zukünftige Entwicklung ist gegeben – die Pflanzbereiche können sich über die Parkgeschosse bei zukünftig etwaig sinkendem Stellplatzbedarf die Rampe nach unten erweitern. Der Vorschlag ist somit anpassungsfähig und skalierbar.

AQUAKULTUR / HYDROPONIK
Aquaponik ist ein innovatives landwirtschaftliches System, das die Vorteile von Aquakultur und Hydroponik vereint. In diesem nachhaltigen Anbauansatz werden Fische in einem geschlossenen Behälter gezüchtet, während das von ihnen produzierte Abwasser als Nährstoffquelle für Pflanzen in einem hydroponischen System dient. Die Pflanzen wachsen in einem wasserbasierten Medium ohne Erde und absorbieren die Nährstoffe aus dem Fischabfall. Durch diesen Prozess werden die Schadstoffe aus dem Wasser entfernt, wodurch eine symbiotische Beziehung zwischen Fischen und Pflanzen entsteht. Aquaponik ermöglicht einen effizienten und ressourcenschonenden Anbau von Gemüse, Kräutern und anderen Pflanzen, wobei der Wasserverbrauch im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft drastisch reduziert wird. Diese nachhaltige Methode trägt zur Förderung der Umweltverträglichkeit und zur Sicherstellung der mittelproduktion bei, besonders in urbanen Gebieten mit begrenztem Platzangebot.

VISUELLE KOMMUNIKATION
Das Projekt soll durch eine plakative visuelle Kommunikation an und im Gebäude nach außen sichtbar gemacht werden. Als zentrale Elemente der Wegführung und Informationsvermittlung dienen modulare Strukturen aus plakatierten Holzplatten, die je nach Standort und Bedarf in unterschiedlichen Grössen zusammengestellt und aufgebaut werden können. Ebenso wird die Verkleidung der Turmkonstruktion auf dem Dach Elemente der grafischen Gestaltung enthalten und so weithin sichtbar machen.

VERMITTLUNG MIT AUGMENTED REALITY
Die modularen Strukturen enthalten neben Informationen zum Projekt und einer Wegführung durchs Gebäude auch QR-Codes, die für eine Augmented Reality-Anwendung (AR) eingesetzt werden. Beim Scannen des Codes wird durch die Kamera des eigenen Mobiltelefons zusätzliche Informationen und Beiträge zur Geschichte des Gebäudes im Raum visualisiert. Eine weitere Vermittlungsebene findet somit nicht nur im realen, sondern auch im virtuellen Raum statt.