- DEMA
- Um- und Anbau Hinterhaus / Karlsruhe-Knielingen
- Bauen im Bestand / Wohnen
- Bauherr:in: privat
- Zeitraum: Fertigstellung 2024
- Mitarbeit: Daniel Uhrig, Jonathan Marx
- Tragwerksplanung: Haag Ingenieure / Ettlingen
- Projektgröße: 2 Wohneinheiten / 107 m² WF
- LPH: 1-8
- Fotos: Kim Fohman / Baustellenfotos: Drescher Michalski Architekten
Das Hinterhaus „DEMA“ in Karlsruhe-Knielingen ist ein Um- und Anbauprojekt, welches aktuelle Debatten zum Thema Wohnraum aufgreift, vor allem den Umgang mit dem Bestand, den demografischen Wandel in der Gesellschaft sowie die Frage nach Raumsuffizienz. Das Vorderhaus an der Heckerstraße ist das Elternhaus des Bauherrn. Seiner Mutter und seinem Stiefvater wurde – wie in so vielen Fällen in ähnlichen Siedlungen – das zweigeschossige Gebäude mit zunehmendem Alter zu groß. So sollte die bestehende Scheune im Hinterhof für eine neue Wohnung mit Zugang zum dazugehörigen Garten umgenutzt werden. Der entstehende Wohnraum im Vorder-haus wird zukünftig nach einer anstehenden Sanierung an Familien vermietet. Zusätzlich zur Wohnung im OG sollte noch eine Einliegerwohnung im EG für zeitweise Aufenthalte des Bauherrn entstehen. Perspektivisch können beide Einheiten ggf. zusammengeschaltet werden.
Man betritt das Gebäude über den Hinterhof an dem neuen Fahrrad- und Werkstattraum vorbeigehend. Im EG befindet sich eine leicht abgesenkte Einzimmerwohnung, ein Badezimmer sowie unterhalb der Treppe ein kleiner Abstellraum. Über die viertelsgewendelte Treppe gelangt man ins Obergeschoss mit einer Wohneinheit bestehend aus Wohn-, Koch- und Essbereich, einem Gäste-WC, einem Schlafzimmer sowie einem Bad. An beiden Wohneinheiten schließen giebelseitig private Außenräume in Form eines Balkon bzw. einer Terrasse an.
Die Scheune stellt eine ortstypische, längsseitige Grenzbebauung des Grundstücks dar. Das Gebäude wurde bis auf die Flucht der Nachbarbebauung erweitert und mit Terrasse und Balkon in die Tiefe des Grundstücks ausgerichtet. Das flachgeneigte Pultdach wurde zurückgebaut und für mehr lichte Raumhöhe im Obergeschoss flacher neu aufgeschlagen. Die baulichen Ergänzungen wurden ähnlich dem Konstruktionsprinzip des Bestands im EG massiv, im OG als Holzbau in Ständerbauweise ausgeführt. Passend zur Größe des Gebäudes war eine Reduktion auf wenige unterschiedliche Materialien, Farben und Oberflächen das Konzept.
Bei der vorvergrauten Fassade handelt es sich um eine einfache, hinterlüftete Konstruktion aus großen, geschuppt übereinander angeordneten Holztafeln zwischen Holzlisenen, die die Fassade gliedern und die Holz-Alu-Fenster sowie die Fallrohre sinnfällig integrieren. Fenster und Staketengeländer in umbragrau korrespondieren farblich mit der Holzschalung. Das Dach ist gedeckt mit naturbelassenem Titanzink-Stehfalzblech.
Im Inneren reagieren die Oberflächen konsequent auf die Art der jeweiligen darunterliegenden Konstruktion: massive Bauteile wie Betonstützen oder Mauerwerkswände wurden mit gefilztem Kalkputz versehen, Holzbau wiederum mit Fichte-3-Schicht-Platten bekleidet.
Der Boden mit Fußbodenheizung ist als geschliffener Sichtestrich ausgeführt, Stahlbauteile wie die Treppe oder Ab-stellungen sind umbragrau beschichtet. Bei den Details wurde Wert auf einfache, aber wirkungsvolle Konstruktionen gelegt. Die verwendeten Materialien sind dabei vergleichsweise kostengünstig und zu einem großen Teil sortenrein rückbaubar.
Die Erweiterung erreicht KfW55- Standard. Das Gebäude wird über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Außeneinheit mit Wärme versorgt. Auf der Dachfläche werden zukünftig Photovoltaik-Module für Eigenverbrauch angebracht. Das Gebäude leistet mit der Umnutzung obsoleter Räume, seiner geringen Größe und einem neuen Fußabdruck von nur ca. 35 m² inkl. Terrasse einen Beitrag zur Schaffung neuen Wohnraums bei minimaler Flächenversiegelung und weiß sich dabei in Form und Ausdruck dennoch in seiner Umgebung zu behaupten.